Die christliche Fastenzeit dauert 40 Tage. Von Aschermittwoch bis Karsamstag (Ostersonnabend) ist sie für die Gläubigen eine Zeit der Entsagung, Buße und Besinnung zur Einstimmung auf das Osterfest (Auferstehung Christi).
Um 1000 wird erstmals von dem Brauch berichtet, in der Fastenzeit Altäre, Reliquien, Bilder, ja ganze Altarräume mit großen Tüchern zu verdecken. Sie wurden im Chor aufgehängt, um der Gemeinde den Blick auf das Allerheiligste zu verwehren. Diese Textilien nannte man Fastentücher (Velum quadragesimale), aber auch Hungertücher oder Schmachtlappen.
Die Verhüllung war für die mittelalterlichen Gläubigen eine Bußübung. Sie verzichteten auf den Augenschein der Heiligen Messe. Zur körperlichen kam die eucharistische Abstinenz.
Die Wendung „am Hungertuch nagen“ für „darben, ärmlich leben, kümmerlich vegetieren“ ist zumindest indirekt mit dem Fastentuch-Gebrauch verbunden.
Ursprünglich schmucklos und einfarbig, wurden die Tücher bald bestickt oder bemalt. Die volkstümlichen Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament dienten zur Glaubensunterweisung der meist analphabetischen Gemeindemitglieder.
VerbreitungEinst in Europa weit verbreitet, sind Fastentücher u. a. durch den reformatorischen Bildersturm selten geworden. Erhalten geblieben sind einige dieser Zeugnisse mittelalterlicher Frömmigkeit nur noch in Kärnten, Tirol, im westfälischen Münsterland und Zittau. Zu den bedeutendsten gehören die bemalten Fastentücher von Gurk (1458) und Haimburg (1504) in Kärnten sowie das Große Zittauer Fastentuch (1472) und das Kleine Zittauer Fastentuch (1573). Interessant sind auch die gestickten Fastentücher im Münsterland wie z. B. das von Telgte (1623).
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