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Zittau, 9. Mai 2012
Farbenprächtige „Seelenbretter“ ab 14. Mai im Zittauer Kreuzfriedhof

„Seelenbretter“ nennt die bayerische Aktionskünstlerin Bali Tollak ihre Werke. In Zittau sind 30 dieser farbenprächtig bemalten und beschrifteten Holzstelen ab 14. Mai 2012 im historischen Kreuzfriedhof zu sehen. Die etwa zwei Meter hohen Bretter mit volkstümlicher Ornamentik und Symbolik verschiedener Kulturen kontrastieren im Areal mit Grabmalen aus Gotik, Renaissance und Barock. Mit ihren Seelenbrettern knüpft die Gestalterin an alte Begräbnisriten an. Sprüche auf den Stelen von der Volksweisheit bis zu hoher Dichtkunst sollen den Betrachter anregen, über den Wert des Lebens in Anbetracht seiner Vergänglichkeit nachzudenken. Als Titel greift die Schau, die eintrittsfrei bis 25. November 2012 gezeigt wird, ein Zitat des hl. Augustinus auf: „Kostbar ist mir jeder Tropfen Zeit“. Die Eröffnung findet in Anwesenheit der Künstlerin um 18:30 Uhr statt.

Bali Tollak aus der oberbayerischen Gemeinde Schwabbruck begann ihre Seelenbretter-Aktion 2002. Gemeinsam mit Fotograf Wolfgang Dennig, ihrem Lebensgefährten, installiert sie ihre Kunstwerke seither in Kirchen, Klöstern, Museen, auf Friedhöfen und an Wallfahrtswegen in ganz Deutschland und dem europäischen Ausland. Bergsteiger und Autor Reinhold Messner hat zwei Seelenbretter in sein Museum Schloss Bruneck in Südtirol aufgenommen.

Die künstlerischen Stelen gehen auf die einstige Verwendung von Leichen- und Totenbrettern zurück. Im Bayerischen Wald und anderen Gegenden wurden auf körperlangen Brettern Verstorbene aufgebahrt. Nach der Bestattung bewahrte man die Bretter oft als Erinnerungsmahle, ab dem 18. und 19. Jahrhundert zunehmend bemalt und mit Versen versehen. „Wir leben in einer Zeit, in der man sich vor der Berührung mit dem Tod und den Toten scheut“, sagt Bali Tollak. „Ich habe mich von Reisen in die Welt unserer Ahnen einfangen lassen und meine Bretter weder nur den Toten noch ausschließlich den Lebenden zugeordnet. Ich habe sie Seelenbretter genannt, um beide Welten, die wir heute strikt trennen, symbolisch wieder anzunähern.“

Nach 2006 und 2009 stellt die Künstlerin zum dritten Mal auf dem Zittauer Kreuzfriedhof an der Frauenstraße 23 aus. „Wir sind sehr froh darüber, dass unsere wertvolle Begräbnisstätte am Museum Kreuzkirche mit dem Großen Fastentuch erneut einen zusätzlichen Zauber erhält“, sagt Dr. Volker Dudeck vom Verein Zittauer Fastentücher e.V. Neben dem visuellen Genuss böten die Seelenbretter den Menschen die Möglichkeit, sich in besinnlicher Atmosphäre unter freiem Himmel auf das Thema Leben und Tod einzulassen.

 

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