Mittwoch, 25. August 2010, 18:00 Uhr,
Kulturhistorisches Museum Franziskanerkloster Zittau
Begrüßung und Einführung - Dr. des. Marius Winzeler
Die Rettung und Restaurierung des Epitaphs Barthel Möller - Dipl.-Rest.
Rayk Grieger
Zur Familie Möller in Zittau - Dr. Wolfgang Günther
Dank und Ausblick - Dr. des. Marius Winzeler
Zu den bisher wenig beachteten Schätzen der Zittauer Sammlungen
gehören zahlreiche Gemälde der Renaissance, die Teil von Epitaphien
sind, also Bildtafeln zum Gedächtnis an bestimmte Personen und Familien.
Ein besonders schönes solches Kunstwerk konnte kürzlich dank
Unterstützung durch einen Nachkommen der darauf dargestellten Familie
sowie durch den Freistaat Sachsen mittels der Sächsischen Landesstelle
für Museumswesen restauriert werden. Dieses Möllersche Epitaph
von 1589 aus der Zittauer Frauenkirche befand sich zuvor in einem katastrophalen
Zustand und schien nahezu verloren. Nun hängt es zum ersten Mal
seit Jahrzehnten wieder in der Dauerausstellung des Museums. Seine Geschichte,
aber auch die komplizierte Restaurierung dieses Werkes sind Inhalt einer
Sonderveranstaltung, zu der die Städtischen Museen herzlich einladen.
Der Restaurator Rayk Grieger berichtet anschaulich von seiner Arbeit. Dr. Wolfgang Günther aus Koblenz, ein Nachfahre des Barthel Möller, dem das Werk einst gewidmet war, und Gönner der Restaurierung wird die familiengeschichtlichen Hintergründe vorstellen. Eine kunsthistorische Ergänzung bietet Dr. des. Marius Winzeler.
Ansprechpartner ist Herr Arwed Vietze, Städtische Museen Zittau, Tel. 03583/554790.
Obwohl die Stadt Zittau in den Schlesischen Kriegen 1757 zu großen Teilen durch Beschuss der Österreicher zerstört wurde und dabei die Hauptkirche St. Johannis, das Rathaus und viele der wichtigsten Gebäude ausbrannten, bewahrten die von der Beschießung nicht betroffenen Kirchen eine überaus reiche Ausstattung des 16.-18. Jahrhunderts. Dazu gehörten insbesondere über 70 Epitaphien der Renaissance und des Barock, wovon die meisten im 19. und frühen 20. Jahrhunderts dem Stadtmuseum übergeben wurde. Nachdem dieses seit 1928 das ehemalige Franziskanerkloster nutzen konnte, erhielten viele dieser Epitaphien einen Platz im Dormitorium.
Insgesamt handelt es sich um in dieser Fülle einzigartige Dokumente bürgerlicher Repräsentations- und Erinnerungskultur. In keiner anderen mitteldeutschen Stadt blieben so zahlreiche Gedächtnisbilder des 16. und 17. Jahrhunderts erhalten – vielfach Werke mit Gemälden von herausragender ikonografischer und künstlerischer Qualität, die belegen, wie hoch entwickelt Bildungswesen und Künste in der reichen und großen Stadt Zittau zur Zeit der Renaissance und des frühen Barock waren. Durch den biografischen Bezug handelt es sich aber auch um Denkmäler von bedeutendem sozialgeschichtlichem Wert, der umso höher liegt, als das Stadtarchiv von Zittau 1757 weitgehend vernichtet wurde und wir so in vielen Fragen auf Objekte wie diese Epitaphien besonders angewiesen sind.
Nach 1945 wurden die Epitaphien schrittweise aus den Museumsräumen entfernt und später zum großen Teil wieder in kirchliche Obhut gebracht. Nach längerer, konservatorisch vollkommen ungeeigneter Aufbewahrung der meisten dieser zum Teil sehr großen Holztafelwerke auf den Emporen der Johanniskirche, wurden sie in den 1990er Jahren erneut dem Museum übergeben. In einer Umlagerungsaktion, an der die Dresdner Hochschule der bildenden Künste dankenswerterweise mit tatkräftiger Hilfe beteiligt war, erhielten die arg ramponierten Epitaphien zusammen mit der ausgebauten Ausstattung der Kreuzkirche eine neue Unterbringung in einem Interimsdepot, wo sie sich heute noch befinden.
Bisher wurden nur ein paar wenige Epitaphien konserviert und teilrestauriert – jene, die wieder in der Kreuzkirche an ihrem originalen Platz angebracht wurden, sowie diejenigen, die entweder im Erdgeschoss des ehemaligen Klosters oder im Flur des Hauptschen Hauses (Verwaltungsgebäude) aufgehängt wurden. Leider sind die meisten der eingelagerten Epitaphien in einem Zustand der akuten Gefährdung. Die Holzsubstanz ist vielfach stark geschädigt, viele Einzelteile sind abgebrochen oder lose. Die malerischen Fassungen der Rahmen, aber auch die Bilder und Inschriften sind vielfach nicht nur stark verschmutzt und lose, sondern zum Teil auch schon abgängig.
Angesichts der großen Bedeutung, die dieser Epitaphienschatz beanspruchen darf, vor allem aber angesichts des gravierenden Erhaltungszustandes, ist Rettung dringend nötig. Die Städtischen Museen Zittau planen deshalb in Kooperation mit der Ev.-luth. Kirchgemeinde, die in ihren Gebäuden weitere Epitaphien hütet, sowie mit Hilfe des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen sowie privater Stiftungen ein größeres interdisziplinär angelegtes Forschungs- und Restaurierungsprojekt, das in den nächsten Jahren schrittweise den Zittauer Epitaphienbestand sichern und gleichzeitig auch erforschen soll.
Ines Hirt
Pressesprecherin